Folge 31: Ding Dong (Mk 6,7-13)

Bildnachweis: Pulp Fiction Reminder by Barstow Steve CC-BY 2.0, The Peephole Avenger by Katheribe Bowman CC-BY 2.0, #fcul #corridor #sunset by Filipe Saraiva CC-BY 2.0, IMGP0512 by Michael Kooiman CC-BY-SA 2.0 und holy cross catholic church redcliffe (15) by bertknot CC-BY-SA 2.0, montiert und bearbeitet von Simon Mallow.

Folge 31: Ding Dong (Mk 6,7-13)
Das Markus-Evangelium

 
 
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#Offenbart 31 – Megahits in Pjöngjang

Heute in der x-tended Edition: Von den Megahits des Nordkoreanischen Radios über die Vorteile von Nordic Walking Stöcken (powered by Jesus) bis hin zu den dramatischen Ereignissen von Simons Wanderurlaub. Schön, dass du dabei bist. Digger.

Bildnachweis: Pulp Fiction Reminder by Barstow Steve CC-BY 2.0, The Peephole Avenger by Katheribe Bowman CC-BY 2.0, #fcul #corridor #sunset by Filipe Saraiva CC-BY 2.0, IMGP0512 by Michael Kooiman CC-BY-SA 2.0 und holy cross catholic church redcliffe (15) by bertknot CC-BY-SA 2.0, montiert und bearbeitet von Simon Mallow.

Lies mit uns: Mk 6,7-13

Folge vorbei – was nun?

Cite this article as: Lukas, "Folge 31: Ding Dong (Mk 6,7-13)," in Offenbart Podcast, 11. September 2017, https://offenbartcast.de/podcast/folge-31-ding-dong-mk-67-13/.

6 Gedanken zu „Folge 31: Ding Dong (Mk 6,7-13)

  1. Hallo Lukas & Simon,

    mir hat das „Staub von den Füßen schütteln“ keine Ruhe gelassen, und ich bin in den Sach- und Worterklärungen meiner Old-School-Print-Bibel fündig geworden (Luther 1984):

    „Wenn Juden aus nicht-jüdischem Gebiet nach Israel zurückkehrten, pflegten sie den Staub von den Füßen zu schütteln, um nichts ‚Verunreinigendes‘ … in das Heilige Land mitzuschleppen.“

    Für die Jüngeraussendung in den Evangelien und die Mission in der Apostelgeschichte soll es angeblich bedeuten:
    „Abbruch der Beziehungen und Überantwortung an Gottes Gericht“

    Liebe Grüße
    ina

    P.S.
    Wurde Paulus gekreuzigt? Ich habe irgendwo mal gelesen, er hätte die römische Staatsangehörigkeit gehabt (und römische Staatsbürger wurden nicht gekreuzigt, sondern hatten das Recht auf einen „angenehmeren“ Tod wie Erhängen oder Köpfen). ???
    Ändert aber natürlich nichts an Eurer Grundaussage. 🙂

    1. Hey Ina, danke für deine Nachforschung! Und ja, Paulus wurde wahrscheinlich nicht gekreuzigt (wobei keiner weiß, was während Neros Christenverfolgung 64 so alles passiert ist und ob Paulus evtl. dabei auf die eine oder andere Weise den Tod gefunden hat). Die Apostelgeschichte endet ja einfach so, nach dem Motto „und wenn sie nicht gestorben sind…“!
      Danke für deinen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Lukas

  2. Hey Lukas, danke für die Info!

    Ich habe die Sacherklärungen zum Staubabschütteln zwar kommentarlos gepostet, aber eigentlich wirft das bei mir noch mehr Fragezeichen als vorher auf… Ich wollte bloß nicht zu lang dazu schreiben… Jetzt probiere ich es aber doch. 🙂

    Mir leuchtet die Übertragung vom AT-Kontext nicht so ganz ein. Eine Stadt oder ein Haus sich selbst überlassen, okay, das passt zur AT-Bedeutung (die Stadt oder das Haus wird sozusagen als ex-territoriales Gebiet markiert und nicht in das Reich Gottes hineingenommen). Übergabe an Gottes Gericht ist dann aber nochmal eine weitere Übertragung und vor allem Radikalisierung, scheint mir (?). Geht es dann um mangelnde Gastfreundschaft (Werke) oder „verstockte“ Herzen oder was soll mir das sagen?

    Ich gehöre nicht zu dem Teil der Christenheit, der mit Gericht/Hölle/Verwerfung arbeitet. Damit gewinnt man sowieso keine Herzen für den Glauben, und es macht miesepetrig, statt sich über die frohe Botschaft zu freuen.
    Aber es fällt mir doch immer wieder auf, dass Jesus häufig vor dem Verlorengehen warnt. Er ist halt doch nicht nur der „nice guy“ und „best buddy“. Und ab und an komme ich wie jetzt mal wieder ins Grübeln…

    Falls Dir dazu auf die Schnelle was Schlaues einfällt, freue ich mich. Falls nicht, ey, mein Kommentar zu einem Meta-Thema ist echt ne Zumutung, ich weiß, Schwamm drüber. 😉

    Interessant finde ich, dass die Luther-, Menge- und Elberfelder Bibel nur „ihnen zum Zeichen“ übersetzt. Andere Bibelübersetzungen, die bekannt sind für eine gewisse „Schlagseite“, ergänzen direkt im Bibelvers eine Gerichtsaussage (Hoffnung für alle, Neue Genfer und Schlachter). Schlachter schreibt sogar „Wahrlich, ich sage euch: Es wird Sodom und Gomorra erträglicher gehen am Tag des Gerichts als jener Stadt!“ – WTF?!

    Also gut, ich halte mich mal an Luther und seine Theologie, in der Glaubensparadoxe nicht immer aufgelöst werden und Glaube und Hoffnung alles ist. 😉

    Vielleicht macht Ihr mal ne Sonderfolje über Gericht? 🙂

    Lieben Gruß von Ina

    1. Liebe Ina,

      vielen Dank, dass du dir die Zeit für diesen ausführlichen Kommentar genommen hast!

      Erstmal zum Text. Was die Schlachter 2000 da bietet ist eine Eintragung der Parallelstelle Mt 10,15. Es gibt für das NT ja eine Menge alter Manuskripte und manche bieten den Satz, den Schlachter übersetzt, auch im Griechischen. Ich nehme an, dass HFA und NGÜ Mt 10,15 im Hintergrund haben, wenn sie uns das Zeichen als Gerichtszeichen interpretieren. Denn auch wenn man mit Luther, Menge oder Elberfelder geht ist ja die Frage, was für ein Zeichen das ist. Genau genommen steht im Griechischen „zum Zeugnis“ – Luther 2017 übersetzt final: „ihnen zum Zeugnis“, Luther 1984 übersetzt adversativ: „zum Zeugnis gegen sie“. Was bezeugen Sie also? Mit dem AT, dass das Haus sich selbst überlassen sei. Und das kommt im Markusevangelium, in dem es darum geht, dass in Jesus das Reich Gottes bereits gegenwärtig ist, einer Übergabe ans Gericht gleich. Positiv gewendet finde ich das in Mk 9,37 ausgedrückt: „Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“ Die Augenzeugen Jesu abzulehnen ist, wenn man diese Stellen zusammennimmt, so, als ob man ihn selbst ablehnte und damit Gott bzw. sein Reich. Und wo sein Reich abgelehnt wird, da ist Gericht. Bei Joh 3,18 noch stärker: Wer nicht glaubt, ist schon gerichtet.

      Soweit klingt das alles ziemlich düster. Keine Sorge, gleich kommt Licht. Ich stimme dir zu: Im Zentrum unseres Glaubens steht – der Glaube. Die gute Botschaft. Das rettende Evangelium. Nicht Verdammung und Gericht. Gleichzeitig: Eine rettende Botschaft rettet auch vor etwas. Und wenn man das verschweigt, verliert man den Boden. Ich denke aber, dass jemand, der nicht an Jesus glaubt, mit dem bloßen Gericht überhaupt nichts anfangen kann. Insofern ja: Damit gewinnt man keine Herzen für den Glauben. Andersherum wird ein Schuh draus: Wer das Geschenk des Glaubens bekommt, gewinnt einen ganz neuen Blick auf sich und sein Leben. (Simon ist, nebenbei gesagt, das beste Beispiel dafür.)

      Wenn Jesus in Mt oder Lk vom Verlorengehen spricht (gibt’s in Mk nicht), dann richtet er sich an seine Jünger (Mt 10,6; Mt 18,14; Lk 15). Ich verstehe das so: Wer Jesus glaubt, ist auch von ihm berufen zu denen zu gehen, die ihm nicht glauben. Und das in dem Wissen, dass es Gericht und Verlorengehen gibt. Das soll dann nicht alarmistisch stimmen, wie es manche (!) Missionsgruppen aufzufassen scheinen, sondern eine tiefe Liebe provozieren, wie Jesus sie in Mt 9,36-38 an den Tag legt: „Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren geängstet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.“ Ich finde, solche Stellen machen deutlich, dass es nicht einfach egal ist, ob wir andere an unserem Glauben teilhaben lassen oder nicht. Versteh mich nicht falsch: Ich will weder jemanden christlich belabern (Zwanghaftigkeit!), noch denke ich, dass Gott die Menschen nur durch uns erreichen kann (Überforderung!). Aber es sollte uns schon berühren, wenn jemand nicht glauben kann.

      Wichtig ist mir noch. die Begriffe ein bisschen zu sortieren. Gericht, Hölle und Verwerfung sind nicht dasselbe. Die „Hölle“ ist im deutschen ein hochproblematischer Begriff, weil sie selten biblisch, sondern meist mittelalterlich verstanden wird. In der Bibel gibt es verschiedene Begriffe, die im deutschen mit „Hölle“ übersetzt werden. Etwa Gehenna/Hinnom (etwa Mk 9,44), ein Tal bei Jerusalem, das seit Jeremia als Ort des Molochkultes (mit der Opferung von Kindern, siehe Jer 7,30) für Verdammung und Tod steht. Es gibt damit in Mk also eine drastische Warnung vor den Folgen eines schlechten Lebenswandels. Auch hier richtet sich Jesus an seine Jünger, nicht an Leute, die ihm nicht glauben. Er warnt seine eigenen Leute. Daneben gibt es auch den Scheol, das Totenreich. #Glaubensbekenntnis: Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Auch hier hat Jesus gepredigt. Das klingt doch dramatisch und hoffnungsvoll zugleich. Und so will die Überwindung der Hölle (in diesem oder jenem Sinn) verkünden, nicht ihre einstige Macht.

      Das Gericht neutestamentlich abzufrühstücken würde mir grad etwas zu umfangreich. Kurz: Es scheint ein Gericht der Werken zu geben, das alle Menschen trifft. So sieht jeder einst, wo er schuldig geworden ist und muss das aushalten. Und dann gibt es noch ein allgemeines Gericht zum Tod oder zum Leben. Dort wird Jesus als Richter und als Anwalt auftreten. Manche Bibeltexte machen stark, wie er verurteilt, andere, wie er sich selbst hingibt. Ob alle Menschen durch Jesus gerettet werden, lässt die Bibel offen. Wir müssen es hoffen. Wir dürfen es nicht einfach voraussetzen – das wäre lieblos.

      Zum Schluss will ich noch einmal zu Joh 3 zurückkommen. Was ich an diesem Text so sympathisch finde: Jesus sagt einerseits eiskalt „Wer nicht glaubt ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes“ – und andererseits: Wozu sollte er das sagen? Um nochmal nachzutreten, weil sein Gesprächspartner Nikodemus nicht glauben kann? Ich denke die Wirkung bei Nikodemus wird eine andere sein: Wer will schon gerichtet werden! Indem Jesus dieses Gerichtswort spricht, stößt er Nikodemus gleichzeitig die Tür auf und lädt ihn ein, ihm zu glauben. Denn: Es geht hier um etwas. Jesus ist mehr als ein weiser Lehrer. Er ist das Leben selbst. Und tatsächlich: In Joh 19,39, als Jesus gerade gestorben ist, kommt Nikodemus und hilft, ihn vom Kreuz abzunehmen, beschenkt ihn mit teuren Salbölen und versorgt seinen Leib. Das Gerichtswort von Jesus ist für ihn zum Lebenswort geworden.

      Und so, hoffe ich, funktioniert auch das Zeugnis der Jünger mit dem Staub abschütteln. Sie machen symbolisch deutlich, dass es nicht egal ist, ob man Jesus an sich heran lässt oder nicht. Aber damit ist es noch nicht zu spät. Sonst wäre es „ihnen“ kein Zeugnis, sondern ein Urteil.

      So, liebe Ina, ich hoffe du kannst damit was anfangen. Bitte schreib, was du dazu denkst. Vielleicht können wir den ein oder anderen Punkt noch genauer entwickeln.

      Und gerne machen wir dazu noch eine Sonderfolje. Zeit! Wir müssen nur noch Zeit finden!

      Herzliche Grüße
      Lukas

  3. Lieber Lukas,

    vielen vielen Dank für Deine Mühe, so detailliert zu antworten! Ich hoffe, ich kriege meine Gedanken dazu halbwegs klar ausformuliert…

    Deine Erklärungen, wie Schlachter über Parallelstellen zu seiner Eintragung gekommen sein wird, waren echt hilfreich. Ich verstehe das jetzt besser, aber mein Vertrauen in Schlachter ist dadurch nicht gefördert worden… Wir sollen nichts hinzufügen oder weglassen – d.h. auch nichts eintragen von woanders her ohne eine angehängte Erklärung. Meiner Ansicht nach. 😉

    Ich hatte ein bisschen salopp „Gericht/Hölle/Verwerfung“ geschrieben, um zu verdeutlichen, dass ich nicht aus diesem Spektrum komme, in dem daraus eine einzige Soße gemacht wird. Aber ja, das sah dann gerade durch die Schrägstriche so aus, als würde ich nicht differenzieren. Ich war mir in meinem Kommentar einfach nicht sicher, wie ich meine Beunruhigung zum Ausdruck bringen soll, dass in meiner äußerst „liberalen“ Landeskirche manchmal seltsam verkündigt wird (meine Kritik an meiner Kirche ist sozusagen umgekehrt oder komplementär zu meiner Kritik an Höllenpredigern). Die Sache ist ernst, und es wäre lieblos, das zu verschweigen, wie Du treffend schreibst. In Bezug auf diesen Podcast wollte ich aber dann auch nicht als „Hardlinerin“ missverstanden werden, zumal Ihr Jesus – zu Recht! – als coolen Typen darstellt.

    Die Scheol kenne ich als AT-Totenreich, und sie hat ja Ähnlichkeiten mit dem griechischen Hades oder der mitteleuropäischen volkstümlichen „Hölle“ oder “Hel“ (siehe „Frau Holle“ als Hüterin dieses Reiches im Märchen). Die Ausschmückungen (bei Dante z.B.) kommen dann eventuell aus nicht-christlichen Zusammenhängen, stellen aber vielleicht auch eine Interpretation der Johannes-Offenbarung dar (?). Die Gehenna als Straf-Ort spielt da, soweit ich informiert bin, insofern eine Rolle, als dieser zeitliche und hiesige Straf-Ort als ewiger jenseitiger interpretiert wird. Das ist auch insofern problematisch, als im AT Gericht eine diesseitige Sache ist: Gott greift richtend in die Geschichte ein, aber das ist im Laufe des AT nicht endgültig. Natürlich gibt es generell erhebliche theologische Akzentverschiebungen und Weiterentwicklungen zwischen AT und NT, mit denen ich mich nicht genug auskenne, von daher: Sonderfolje wäre subba! (Mir ist total klar, dass der Podcast sowieso schon krass zeitintensiv ist. 🙂 )

    Verlorengehen wiederum würde ich (wie Verwerfung) erst einmal im Kontext von „Erwählung“ sehen, wie Du das ja im Bezug zu Jesu Aussagen gegenüber seinen eigenen Jüngern zeigst (und schon im AT sind es die „Erwählten“ und letztlich ganz Israel als Gottes erwähltes Volk, die einen Zuspruch erhalten, aber darin auch einen Anspruch vermittelt bekommen und genau deshalb verlorengehen oder im krassen Fall – Saul – verworfen werden können). Mit Erwählung meine ich keine calvinistische „Prädestination“, sondern das Geschenk des Glaubens, das zugleich eine Berufung zu Aufgaben in dieser Welt ist zum Zeugnis einer anderen, nämlich Gottes Wirklichkeit (s.a. „ekklesia“ und die Herausgerufenen).

    Vor diesem komplizierten Hintergrund würde ich mal ganz schlicht sagen: Nix Genaues weiß man nicht, aber es ist ernst! Wenn Jesus sagt, wer nicht an mich glaubt, der ist schon gerichtet, dann erscheint mir das übrigens gar nicht eiskalt, sondern – meiner persönlichen Erfahrung nach – sehr realistisch (ein Teil meiner Vergangenheit hat Ähnlichkeiten zu Simons… z.B. gleiche Szene-Subkultur…). Mir geht es (wegen meiner eigenen früheren „Verlorenheit“) auch immer darum, dass gute Predigten oder Verkündigungen sprachfähig machen können angesichts der Selbstverständlichkeiten des Lebens (auch und gerade in der Spätmoderne), in denen viele Menschen gar nicht benennen können, dass und worunter sie diffus leiden. Welche Formen von „Sünde“ und Zerbrochenheit und „Gottesferne“ sind das z.B.? Neue Formen von Abhängigkeiten, „Götzendiensten“ und Unterdrückung, neue Strukturen von Verblendungen, Lügen und Selbsttäuschungen usw. Und ja, genau wie Du sagst, Jesus als Person („Ich bin die Wahrheit und das Leben“) ist die Lösung, nicht als bloßer Weisheits- oder Ethiklehrer. – Meine Rede! (Damit mache ich mich gerne mal bei Ultraliberalen genauso unbeliebt wie bei vielen Post-Evangelikalen…) Das ist allerdings total schwer auszudrücken, was man konkret damit meint, ohne in frömmelnde Plattitüden oder das bloße Zitieren von Bibelversen abzugleiten…

    Stimmt, ich hatte irrtümlich „ihnen zum Zeichen“ geschrieben, aber es heißt „ihnen zum Zeugnis“, und das ist etwas anderes, wie Du schön ausgeführt hast, denn dann ist das „Gerichtswort“ womöglich ein „Lebenswort“, weil es etwas anstoßen kann. Ich hoffe ja sowieso, dass die Konfrontation mit Gott im hiesigen Teil der Wirklichkeit wie auch „drüben“ etwas bewirkt. Simon hat das in einer Folge im Zusammenhang mit seiner „Bekehrung“ schön beschrieben, und ähnlich habe ich es auch erlebt (wenn auch im Detail individuell wiederum sehr anders). Es ist nicht nur ein „Spiegeln“ oder Aburteilen, denn Gottes Liebe sieht das, was sein kann, nicht nur das, was ist (und selbst in dem sieht er auch das Elend). Jesus begegnet im Johannes-Evangelium der Samaritanerin aufdeckend und klärend, ohne sie bloßzustellen („Das hast Du recht gesagt“ – What? Jesus, was erzählst Du hier?). Gott schickt Adam und Eva aus dem Garten Eden, macht ihnen aber zuvor noch Kleider aus Fell wegen ihrer Scham und gibt ihnen nicht nur Fluchfolgen, sondern auch noch eine Verheißung mit auf dem Weg (der Same Evas wird die Schlange zertreten –˃ Jesus!). Bei Jesaja sagt Gott, dass er selbst noch aus dem Stumpf eines abgeschlagenen Baumes neues Leben wachsen lassen kann und wird. Und dass sein Wort tut, wozu er es aussendet. Paulus meint, dass sich eines Tages alle Knie beugen werden (ich vermute: weil man in der Begegnung mit dem lebendigen Gott gar nicht anders kann) und am Schluss „alles in allem“ ist (was auch immer das genau heißt… Ich glaube inzwischen, dass Paulus, als er vor Damaskus vom Pferd gefallen ist, so tiefe Einblicke in Gottes Realität erhalten hat, dass er den Rest seines Lebens um angemessene Worte rang…)

    Ich persönlich habe also Hoffnung, auch wenn völlig klar ist, dass der abgeschlagene Baum lieber nicht gefällt worden wäre… Falls es eine „Versöhnung aller“ geben sollte, dann bestimmt auch unterschiedliche Wege, auf denen Gott die Menschen dorthin führt. Manche Umwege und Gerichte möchte sicherlich niemand erleben müssen, und manche Tatfolgen im Gericht auszuhalten wird kein Spaziergang – selbst mit Jesus zur Seite (geschweige denn ohne ihn).

    Manchmal, wenn mir das Gericht Angst macht, denke ich daran, dass es im AT und NT immer wieder auch Stellen gibt, die hoffnungsvoll auf das Gericht blicken, es förmlich als Befreiung Gottes ersehnen. Weil es nicht nur um unser spießiges privates Heil geht, sondern um diejenigen, die zu Opfern wurden, wie man es sich in unserer Wohlstandsgesellschaft kaum vor Augen führt. Nur Gott kann sie auf-richten und die Taten ihrer Peiniger aufdecken und zu-recht-bringen.

    Ich hoffe, meine Ideen sind halbwegs theologisch akzeptabel… Ich habe Dank Deiner ausführlichen Antwort nochmal für mich selbst etwas intensiver nachdenken können. 🙂

    Liebe Grüße von Ina

    1. Liebe Ina,

      ich bin dir ja noch eine Antwort schuldig! Und die fällt sachbedingt sehr kurz aus: Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Ein theologisches Argument aus einem Guss (nicht nur „halbwegs akzeptabel“) und schön zu lesen. Wichtig finde ich deinen Hinweis darauf, wie leicht es ist, in frömmelnde Plattitüden abzugleiten und mit vielen Worten nichts mehr Substantielles zu sagen. Gesetz für Theologen.

      Ich hoffe, Simon und ich werden mal dazu kommen, eine Sonderfolje „Hölle, Hölle, Hölle“ zu machen. Übrigens findet dieses Jahr vom 16. bis 18. November eine Tagung von und für Theologiestudierende in Marburg statt, die sich, wenn ich noch auf dem aktuellen Stand bin, mit dem AT befasst. Da wird es um Fragen wie Historizität, Verhältnis zum NT und Umgang mit dem AT in der Predigt gehen. Sicherlich kommen da auch Fragen vor, wie wir sie hier gestreift haben. Nähere Infos dazu werden zu gegebener Zeit auf http://www.agorax.de unter „Marburger Tagung“ zu finden sein.

      Abschließend noch ein kleiner Epilog zu der Schlachter-Sache: Die Eintragung des Textes Mt 10,15 ist ja keine Erfindung von Schlachter gewesen, sondern fand sich bereits in alten Manuskripten. Schlachter entscheidet sich da einfach, anders als andere Bibelausgaben, den Text nach diesen Manuskripten zu bieten. Das ist eine notwendige philologische Entscheidung und die kann man genauso kritisieren wie die Entscheidung der anderen Herausgeber. Und dass es sich um eine „Eintragung“ handele ist ja auch bloß eine, wenn auch äußerst plausible, Annahme. Ich finde, du kannst Schlachter also durchaus was zutrauen – oder aber (und das ist vielleicht der schlauere Weg) allen Ausgaben gegenüber mit einer guten Dosis Kritik begegnen.

      Herzlich
      Lukas

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