Folge 25: Wir sind viele (Mk 5,1-9)

Bildnachweis: Eyes by Dboybaker CC-BY 2.0 und Basic Training 1984 by Richard Elzey CC-BY 2.0 montiert und bearbeitet von Simon Mallow.

#Viertelhundert – Kater in Gerasa

Diese Woche bieten wir euch: Beef zwischen Bibel- und Hochschule, einen rasenden Gerasener – und dann Jesus so: Abfaaahrt!

Bildnachweis: Eyes by Dboybaker CC-BY 2.0 und Basic Training 1984 by Richard Elzey CC-BY 2.0 montiert und bearbeitet von Simon Mallow.

Lies mit uns: Mk 5,1-9

Folge vorbei – was nun?

Veröffentlicht am 17. Juli 2017 von Lukas Klette.

10 Kommentare zu „Folge 25: Wir sind viele (Mk 5,1-9)

  1. Wie schon alle?!? Du säufst ja wie n Schod…!?! Zwei Packungen?!? Alter… ick schick Nachschub… Luksen och wat?!

    1. Brilliant. Stimmt. Oder auch *lol Markus*

      Und ja, der Exlurs war eher etwas pragmeneutisch… Vielleicht sollten wir dennoch den ein oder anderen Kommentar dazu austauschen?

  2. Hallo zusammen,

    Die Erklärung von Richards Hays scheint mir ein wenig abwegig oder zumindest bezweifle ich, dass Jesus diesen Hintergedanken bei der ganzen Sache hatte. Jesus hat sich in seiner ganzen Zeit hier auf der Erde aus Politik raus gehalten und vom Reich Gottes gesprochen, was eine ganz andere Art Reich ist als der der Roma… Also für mich ist diese Erklärung nur eine weitere Gedankenspielerei um möglichst neue und spannende Aspekte in der Bibel zu finden, die da aber eigentlich nicht hin gehören…

    Was denkt ihr?!?
    David

    1. Hays ist ja seit vielen Jahren einer der führenden Neutestamentler, die einen „Subtext“ in den Paulinischen Briefen und dem ganzen NT finden will. Im Kontext von Hays Buch und vor allem der von ihm entwickelten Hermeneutik macht der Gedanke schon Sinn, scheint mir.
      Dabei will Hays ja nicht in erster Linie auf den historischen Jesus zurückgreifen: wenn Jesus das so gesagt hat, hat er dann auch diesen Hintergedanken gehabt?
      Sein eigentliches Ziel ist das Verständnis des kanonischen Textes: Wenn der Autor des Mk diesen Text in der gegenwärtigen Form einbaut, könnte dieser Gedanke sein Ziel gewesen sein?
      Ob Jesus selbst so apolitisch ist, lässt sich sicher auch diskutieren 🙂 – „Seid ihr der König der Juden?“ – „Du sagst es.“

      Die Frage finde ich spannender: Wenn es nicht wie bei Hays ist – was machst du dann (a) aus den Schweinen und (b) aus der Legion? Haben die irgendeine Bedeutung, die über die Historische (ist halt so gewesen) hinausgeht?

      Viele liebe Grüße
      Marcus

      1. Es zwingen sich eben immer Fragen an den Leser auf. Insofern er den Text nicht einfach überfliegt oder gerade der Heilige Geist den Leser einer Epiphanie schenkt.

        Frage 1: Warum macht Jesus genau das was er macht? (Warum Wein machen, kein Bier? Warum die Vermehrung der Speisen? Warum über Wasser gehen? Warum aus Speichelschlamm eine Heilsalbe für Bline?)
        Frage 2: Warum wurde genau das da aufgeschrieben? (Es gab mit Sicherheit mehr Ereignisse mit Jesus, die es nicht in die Bibel „geschafft“ haben. Da hat man die Notwendigkeit einer Überlieferung nicht gesehen.

        Ich glaube man muss sich für eine der Fragen immer entscheiden, wenn man den Text ernstnehmen möchte. Sonst verkommen die Texte zum reinen Kaffeesatz aus der jeder herausliest was er möchte. Kann man machen, ist dann aber nur ein kleiner Teil der ganzen Wahrheit.

        Nach Theorie der Auslegung (die werten Theologen der Universitäten nennen das auch Exegese) sollte man den Text dreiteilig betrtachten.
        1. Was sagt der Text mir persönlich? (was sagt Gott durch den Text)
        2. Was steht dort eigentlich genau? (historischer Kontext)
        3. Was will der Autor dem Leser vermitteln? (der Autor hatte einen Grund den Text zu schreiben)

        Bezüglich der Schweine und dem unreinen Geist Legion liegt die Frage nach politischen Intentionen mindestens in zwei der drei Punkte nahe.

        1. Hmmm… dass heißt also, dass wir unterscheiden müssen zwischen der Motivation von Jesus und der Motivation des Autors… Also ob Jesus tatsächlich diese Aussage von Hays machen wollte mit dieser Aktion ist reine Spekulation…
          Vielleicht ist es etwas naheliegender, dass der Autor diese Aussage machen wollte. Aber wie passt diese provokative Aussage in den gesamten Kontext des neuen Testamentes?!? Im Römer Brief lesen wir, dass alle staatlichen Autoritäten von Gott eingesetzt sind. Aus rein Historischer Sicht weiß ich jetzt nicht, wie das Römische Reich nun eigentlich unter gegangen ist… ich erinnere mich nur noch an den Leier spielenden Nero vor dem brennenden Rom… hat diese Interpretation des Textes irgendeine erfüllte Prophetie. Oder soll das dann schon ein Hinweis auf die Endzeit sein?!
          Gibt es noch andere Hinweise im MK wo man diese Art der Interpretation ansetzen kann oder ist das ein Ausreiser?!

  3. Aah! Jetzt wird’s aber mal Zeit für den hermeneutischen Streit.

    Zu der Sauerei sind wir ja in Folge 26 nochmal zurückgekehrt, Simons 3 Stichpunkte zur Auslegung verführen mich zu einer allgemeinen Thematisierung der Schriftfrage. Sorry Marcus.

    Zur Ouvertüre erstmal ein bisschen cherry picking bei @Simon.

    zu 1.: Du meinst es wahrscheinlich nicht so, aber deiner Aufteilung nach wirkt es so, als ob Gott nur durch das spreche, was du beim Textlesen persönlich für dich entdeckst. Demnach wäre Gottes Reden völlig unhistorisch. Dabei beanspruchen viele Bibeltexte – und ich rufe mal die steile kanontheologische These auf, dass 1 Tim 3,16 und 2 Petr 1,20 diesen Anspruch für die gesamte Heilige Schrift erheben -, Gottesrede zu sein, in ihrer jeweiligen historischen Situation. Auch die ersten Leserinnen oder Hörer der Texte hatten ihre persönlichen Eindrücke. Aber auch diese Eindrücke – die etwa radikal-konstruktivistische Spielarten der Rezeptionsästhetik als eigentliche Leistung der Rezipienten abfeiern – würde ich nochmal von dem unterscheiden, was Gott durch die Texte sagt. Das heißt, solange unsere Erkenntnis Stückwerk ist.

    zu 2.: Gott kann also durchaus durch das sprechen, was „dort eigentlich genau“ steht. Das ist ja gerade die Pointe am lutherischen Schriftprinzip: Der Literalsinn, das was da wörtlich zu lesen ist, ist das wesentliche. Dieses Wort ist es, dass durch den Heiligen Geist Glauben wirken kann.

    Selbstverständlich kann Gottes Geist sein Werk auch durch grobe Missverständnisse vollbringen. Malte und Knut von @Tischgespraech erzählen da eine schöne Anekdote: Ein Konfirmand hält eine Andacht, bei der er den breiten Weg aus Mt 7,13f als fröhlichen Weg zum Heil beschreibt. Der Pastor ärgert sich, ein anderer Konfirmand dagegen spürt dank der nachweislich falschen Auslegung Gottes Nähe. Aber grundlegend zählt das ‚was da steht‘, denn darauf bezieht sich die Verheißung des Heiligen Geistes nach 1 Tim 3,16.

    Natürlich ist es gut, wenn ich nicht nur mit der Brille des Forschers sondern auch mit dem Herz des Glaubenden an die Schrift herangehe. Ich frage mich, ob man das überhaupt legitim trennen kann, wenn man wirklich alles kritisch prüfen und gleichzeitig dem Gegenstand angemessen verstehen möchte. Aber das macht ein weites Fass auf.

    An dieser Stelle mal die Frage an @Marcus: Wer ist dieser historische Jesus? Gehst du die Unterscheidung historisch/kerygmatisch voll mit?

    zu 3.: Literaturwissenschaftler lernen im 1. Semester: Frag nie, was der Autor sagen wollte. Der Autor ist unzuverlässig, vielleicht sogar Tod, mindestens aber verwirrt und behauptet immer das Gegenteil. Ja, da lebt die Rezeptionsästhetik. Theologen lernen im 1. Semester: Frag zuerst, was der Autor sagen wollte. Der Autor ist kaum zu ermitteln, längst Tod, womöglich verwirrt und potentiell selbstwidersprüchlich. Dennoch geht es um ihn. Du darfst ein bisschen Rezeptionsästhetik machen, aber eigentlich wäre es doch schöner zu wissen, was der Autor sagen wollte.

    Zwei Positionen die eines gemeinsam haben: Die Kommunikation läuft zwischen Autor, Text und Rezipient. Als Theologe fehlt mir da einer in der Auflistung. Im ersteren Fall ist der Rezipient im Zentrum, der im Rahmen des vom Autor verfassten und dann tradierten Textfeldes die Bedeutung generiert. Im zweiteren Fall ist es der Autor, der in seinem historischen Kontext aus zu erhebenden Gründen einen Text geschrieben hat, der damaligen Rezipienten leichter, heutigen dagegen schwerer zugänglich ist. Die Gemeinsamkeit lässt sich in einem lateinischen Satz zusammenfassen, der bereits am Anfang historisch-kritischer Bibelexegese formuliert worden ist: Wir forschen etsi Deus non daretur – als ob es Gott nicht gäbe.

    Schön ist der Konjunktiv. Denn faktisch werden alle Ergebnisse einer solchen Auslegung in diesem Lichte der Nichtexistenz Gottes stehen. Das Paradebeispiel: Wie datieren wir Markus? Der Tempel ist 70 nach Christus zerstört worden – in Mk 13,2 sagt Jesus so eine Zerstörung voraus. Etsi Deus non daretur kann Jesus davon noch nichts wissen. Ergo: Markus wurde nach der Tempelzerstörung verfasst. Aber im Glauben gehe ich ja davon aus: Ich glaube etsi Deus daretur, als ob es Gott gäbe. Da könnte ich mich doch fragen, ob ich Prophetie (wenn ich Mk 13,2 als solche bewerte) jetzt privat glauben, wissenschaftlich dagegen leugnen soll. Nein, wird der gelahrte Leser einwerfen: Die Kunst der Exegese ist nur Werkzeug und Werkzeuge können nur das bewerkstelligen, wozu sie geschaffen sind. Die wissenschaftliche Auslegung muss etsi Deus non daretur verfahren, der Glaube aber kann nicht dabei stehen bleiben. Dagegen aber meine Frage: Wird diese Unterscheidung in der Realität wirklich so durchgehalten? Mir scheint, es gibt weiterhin „die Ergebnisse der Wissenschaft“ und daneben „persönliche“, „kirchliche“, „religiöse“, „kerygmatische“ Auslegungen, deren Qualität an den ersteren gemessen wird.

    Wie wäre es anstelle einer Exegese etsi Deus non daretur mit einer Auslegung die Gottes Existenz explizit annimmt und von dieser Vorannahme ausgehend intersubjektiv nachvollziehbar zu ihren Ergebnissen kommt? Dann müssten wir uns immer noch mit Autorenintention, Text/Historie und Rezipient beschäftigen. Aber das dann sowohl als Theologen als auch als Glaubende.

    So nun biete ich denk ich ausreichend Angriffsfläche. Viel Spaß, tobt euch aus!

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