Folge 14: Zombies und Meer (Mk 3,7-12)

Bildnachweis: "Onjuku Beach" by Yoshikazu TAKADA CC-BY 2.0 und "We still have the sky." by sixtwelve CC-BY 2.0, zusammengestellt und bearbeitet von Simon Mallow.

Offenbart #14: ‚Lasst die Zombies zu mir kommen und wehret ihnen nicht!‘

In dieser Folge fallen die Massen über Jesus her wie Studenten über Promotions und wir finden die Weltformel.

Bildnachweis: „Onjuku Beach“ by Yoshikazu TAKADA CC-BY 2.0 und „We still have the sky.“ by sixtwelve CC-BY 2.0, zusammengestellt und bearbeitet von Simon Mallow.

Lies mit uns: Mk 3,7-12

Folge vorbei – was nun?

Veröffentlicht am 1. Mai 2017 von Lukas Klette.

6 Kommentare zu „Folge 14: Zombies und Meer (Mk 3,7-12)

  1. Hey Freunde,

    großartige Folge, hat mir sehr gut gefallen. Ich mag das Format sehr – ihr macht dieses Zwischending zwischen akademischer Diskussion und dem Gespräch im Hauskreis; mir scheint, genau dafür ist die Bibel geschrieben. Für Experten und Laien zugleich.

    Zwei Dinge sind mir in dieser Folge aufgefallen:

    (a) Simon sagt an der seinen Stelle, er denke, dass hier schon eine Messiaserwartung mit hereinspielt – Lukas verweist darauf, dass es den Menschen nur um die Taten ging, nicht um die Worte.
    Aber gerade das scheint mir ein Argument f ü r die Messiaserwartung zu sein, nicht dagegen. Ich würde hier Simon definitiv zustimmen, dass die Erwartung, die an Jesus herangetragen wird, definitiv messianisch ist. Zum einen ist das sog. Messiasgeheimnis ja auch (vor allem?) ein literarisches Phänomen bei Markus, mit dem er versucht, dem Skandal des Kreuzes einen Sinn zu geben (zB in Gundry’s erstklassigem Kommentar sehr gut herausgearbeitet). Nicht, dass Markus diese Aussagen Jesus zwingend in den Mund gelegt hat; aber gerade die Literarische Schärfe, dass das letzte Schweigegebot auf dem Berg der Verklärung mit einer zeitlichen Begrenzung ausgesprochen wird (bis zur Auferstehung; vgl. Mk 9,9f) spricht für eine starke literarische Verarbeitung durch Mk. Dadurch darauf zu schließen, dass die Menschen un Palästina keine Messiaserwartung an Jesus haben, scheint mir sehr naiv. Zum einen ist Jesus ja bei weitem nicht die erste Messiasgestalt (bei Wright, New Testament and the People of God, sehr gut herausgearbeitet), zum Anderen ist die Erwartung der nahenden Ankunft des Messias eines der zentralen Erkennungsmerkmale hebräischer Weltanschauung der Zeit.

    (b) Die starke Unterscheidung von Wort und Tat bei Jesus kann ich nicht nachvollziehen. Zum einen waren es ja Handlungen, die die Menschen vom Messias erwartet haben (vgl. zB die Antwort an den zweifelnden Johannes, bei denen Jesus vor allem auf Taten verweist; Mt 11, Lk 7). Gleichzeitig ist es g e r a d e im Mt ja der Predigende Jesus, der dem lehrenden Moses gegenübergestellt wird (5 Reden von Jesus gegen 5 Bücher des Pentateuch). Hier darauf zu schließen, dass mehr die Taten, nicht das Reden, in den Vordergrund gestellt werden soll, scheint mir un-evangelisch 🙂 Die Gute Nachricht ist ja erstmal eine NACHRICHT; dass die Menschen die quasi mitvermittelt bekamen durch die messianischen Taten ist eine Anomalie der Geschichte. Wenn wir als Christen heute bei der Tafel mitarbeiten, werden die Menschen nicht automatisch auf den Herrscher- und Erlöseranspruch Jesu rückschließen. Es braucht heute, beides in einem ausgewogenen Verhältnis, denke ich. Man sollte hier bei keiner Seite vom Pferd fallen.
    Aber – J. I. Packer soll das mal gesagt haben – ich habe den Eindruck, hier ist das Pferd auch eher ein Ball.

    Liebe Grüße
    Marcus

    1. Hey Marcus,

      danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ich hab ihn gerne gelesen und deine ‚Naivitätsanzeige‘ with a grain of salt genommen. Klasse, wie du meine lutherische Grundposition verteidigst! 😀 Allerdings ist mein Anliegen in dieser Folge nicht, die Tat vor das Wort zu stellen oder Taten als eigentliches Predigen hinzustellen. Mein Einwand zur Messiaserwartung geht dahin, dass die Leute in dieser konkreten Mk Perikope allein in ihrem Interesse am Heilungswirken Jesu vorgestellt werden. Aus meiner Sicht fehlt es da gerade an dem Wort und es wundert nicht, dass der Wohltäter Jesus – von Menschen wie diesen – am Ende als Verkündiger des anbrechenden Gottesreiches verworfen und ans Kreuz gebracht wird. Mir ging es damit darum, erstmal die Perspektive der Leute in der Menge nut nachzuvollziehen. Und die gilt mit Sicherheit auch heute für viele Leute in Bezug auf die Kirche: Der Glaube kommt durch das Wort – aber warum soll ich jemandem zuhören, dessen Taten, im besten Fall, für mich irrelevant, im schlechtesten Fall sogar negativ für mich sind? Die Taten sind damit aus meiner Sicht notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung des messianischen Glaubens. Das Wort wiederum ist dessen hinreichende Bedingung.

      Um Leonardo di Caprio zu zitieren: „Sind Sie d’accord!?“

      Beste Grüße
      Lukas

    2. Hey Marcus,

      auf von meiner Seite, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar zur Folge. Du schreibst sehr schön, kann man was von dir irgendwo lesen?

      Die Messiaserwartung muss im Grunde berücksichtigt werden und es ist gut, dass das auch noch andere Leute so sehen können. Man muss sich ja mal im klaren sein, dass der Mensch sich in seinem Wesen niemals ändern wird; quasi eine echte Konstante in der Weltheitsgeschichte. Akzeptiert man diese Konstante, kann man ganz schnell aus dem ganz normalen Leben Rückschlüsse auf die antike Messiaserwartung ziehen. Heute Leben Menschen in eine allgemeinen Erwartung, dass die Supermärkte immer voll sind, ständig Strom und Wasser aus der Wand konnt und sobald sie sehen, dass auf dem Hauptbahnhof eine X-belibiegen Stadt „5 Minuten Verspätung“ an den Anzeigen steht, kann man den allgemeinen Spott wieder hören. Vom Fußball und seinen Phänomenen in jeder Art möchte ich an dieser Stelle gar nicht sprechen. Allerdings wird klar, dass Gesellschaften ein kollektives Bewusstsein haben und wenn die im antiken Israel mal eines im kollektiven Bewusstsein enthalten ist, dann ist es die Sehnsucht nach dem König David! Und dann kommt dieser Mann…

      Bei deinem Punkt b kann ich dir allerdings nur bedingt zustimmen. Es ist schon klar, dass es oft vorwiegend um das Wort geht. Wir sprechen in der ersten oder zweiten Folge unseres Casts genau über die Thematik des Evangeliums als Wortbedeutung. Allerdings es in der Bibelstelle, welche wir an dieser Stelle behandeln explizit so da, dass sie wegen seiner Taten kommen. Nenn es spitzfindig, aber ich lese gerne gesellschaftskritische Dinge aus der Bibel heraus. Aus meiner Erfahrung heraus sind gerade die Evangelien eher wie eine gute Zeitung (Zeit.de) zu lesen, die auf Ereignisse hinweisen, aber nicht ohne einen Fingerzeig auf Missstände der damaligen Zeit.

      An dieser Stelle bin ich fertig und weil ihr Typen (du und Lukas) so schön Leute zitiert auch mal ein Zitat an dieser Stelle vom guten Terminator, Typ 800, Model 101: „I´ll be back!“

      1. Man kann Dinge von mir auf meinem Blog lesen,
        aber gerade bin ich da nur sehr selten aktiv. Eine Rezension im Monat, aber das war es, nicht viel eigenes Zeug.
        Oder du wartest noch 10 Jahre, dann kommt vielleicht mal ein Buch von mir. Oder so 😀

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